Hoi, Hoi Hanoi

Januar 31, 2010

Hallo alle,

hab mal wieder die Zeit gefunden, euch zu berichten wie es mir hier so ergeht.

Wie bereits im letzten Eintrag erwähnt, haben wir uns den Dezember über bemüht das Projekt zu wechseln. Es wurde einfach nicht besser und wir bekamen so langsam das Gefühl, die eingesperrte Zeit ist verlorene Zeit in Vietnam. Glücklicherweise gestaltete sich der Wechsel deutlich einfacher als erwartet. Die Organisation stimmte uns zu, dass dieses Projekt vorerst nicht geeignet wäre als Arbeit für Langzeitfreiwillige. Die sogenannten Workcamps ( Eine Gruppe aus Freiwilligen, die für 2 Wochen in einem Projekt an einer speziellen Aufgabe arbeiten ) werden weiterhin in Hai Duong arbeiten, für andere Langzeitfreiwillige müsse erst einmal die Einstellung des Direktors geändert werden.

Ich habe mich dann jedenfalls entschlossen nach Hanoi zu gehen, wo die Bedingungen für Ausländer einfacher sind. Keine Ausgangssperre, nicht mehr jedes Mal angeben wohin man geht. Endlich mal wieder ganz frei sein.

Stefan und ich haben beschlossen, weiter zusammen zu arbeiten, worüber ich echt froh bin. Wir hatten also nach dem traurigen Abschied aus Hai Duong ( die Kinder und Lehrer sind uns wirklich an’s Herz gewachsen und wir werden sie nächsten Monat zum chinesischen Neujahrsfest besuchen ), hatten wir eine Woche Zeit uns für ein Projekt zu entscheiden. Letztlich fiel unsere Wahl dann auf das „Will to Live – Center“. Das ist eine sogenannte NGO ( zu Deutsch: Nicht-Regierungs-Organisation ) gegründet von dem Geschwisterpaar Hieu und Van. Beide sind schwer körperlich behindert und brauchen einen ständigen Assistenten. Umso beeindruckender ist es, was die beiden auf die Beine gestellt haben: „Will to live“ kümmert sich um schwer behinderte Jugendliche, hauptsächlich aus den Provinzen. Dort werden Behinderungen leider als eine Art Fluch für die Familie angesehen, was ein normales Leben für die Jugendlichen nahezu unmöglich macht. Viele von ihnen haben zuvor nie ihr Dorf oder gar das eigene Haus verlassen. „Will to live“ versucht diesen Jugendlichen, ein soweit  wie möglich unabhängiges Leben zu ermöglichen. Dazu gilt es in erster Linie den Berufseinstieg vorzubereiten. Die Jugendlichen werden im Bereich Computer und Englisch unterrichtet und  dann später an Firmen vermittelt. Für den Bereich Englisch sind von nun an Stefan und ich zuständig. Von Montag bis Freitag unterrichten wir in verschiedenen Kleingruppen, je nach Können. Das tolle an diesem Projekt ist, dass wir die Möglichkeit haben bei einem in Vietnam wirklich visionären Projekt zu helfen, und noch dazu über die nächsten 5 Monate die Chance haben, unseren eigenen Beitrag am Fortschritt der Schüler zu sehen. Ein kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass ich Skate-Aid wohl nicht weiter machen kann.

Noch kurz zu meiner Unterkunft. Ich wohne in einer Art Freiwilligen-WG in einem neuen Bezirk von Hanoi. 9 Freiwillige aus 9 verschiedenen Ländern, wirklich cool. Alles in allem bin ich froh darüber, gewechselt zu haben. Zum einen der Bedingungen wegen, aber auch weil Hanoi noch einmal die Chance auf  ganz andere Erfahrungen bietet. In meinem Viertel hier zum Beispiel kann ich quasi live beobachten wie sich Vietnam verändert. Überall werden in kürzester Zeit riesige Hochhäuser gebaut, Straßen und Brücken werden gebaut wo vorher nichts als Reisfelder waren. Nicht unbedingt schön, aber unaufhaltsam.

So, das soll’s erst einmal gewesen sein. Bis demnächst

Beste Grüße aus der schönen, vietnamesischen Hauptstadt!

PS: Ich habe einen Artikel auf Spiegel-Online gefunden, der sich mit den Auswirkungen von Agent-Orange in Vietnam beschaeftigt. Es wird auch von einem Center, aehnlich dem Will-to-live-Center berichtet. Wenn es euch interessiert klickt einfach hier.

…nachträglich aus Thailand

Zu Weihnachten…

Dezember 19, 2009

…wollte ich mich mal wieder melden!

Und euch in einem etwas ausführlicheren Bericht mal die Lage hier schildern.

Also, der November war soweit ein normaler Monat. Ich bin mit Thomas, der mich für 3 Wochen besucht hat, runter nach Saigon geflogen ,von wo wir dann mit dem Schlafbus über 3 Stationen wieder zurück nach Hanoi gefahren sind. Ein wirklich cooler Trip auf dem wir eine Menge gesehen und erlebt haben. Da dieser Eintrag aber nicht ein weiterer Reisebericht werden soll, lasse ich einfach die Fotos sprechen.

Abgesehen davon haben wir normal im Center gearbeitet, wovon ich jetzt endlich mal berichten möchte. Ein Arbeitstag hier beginnt um halb 8. Da wir es immer noch nicht schaffen so früh morgens die traditionelle Nudelsuppe (Pho ) zu essen, gibt’s dann immer so eine Art Zuckerbrot.

Um 8 Uhr beginnt dann die Schule.  Wir 5 Freiwilligen unterrichten nach einem Rotationsplan alle Klassen. Das heißt, dass wir in der einen Woche im 4. Stock , in der anderen im 3.Stock unterrichten. Die beiden Stockwerke unterscheiden sich in den Behinderungen der dort zu unterrichtenden Kinder. So sind im 4. Stock überwiegend geistig behinderte Kinder, im 3. Stock dagegen taubstumme Kinder. Am Anfang war es wirklich schwer, da wir weder Zeichensprache, noch Vietnamesisch konnten und einfach nicht richtig wussten was wir machen sollten. Aber mitterlweile klappt das alles sehr gut. Wir basteln, malen und singen mit den Kindern und unterrichten sogar immer häufiger auch Mathe und Vietnamesisch. Es sind wirklich tolle Kinder und die Arbeit macht großen Spaß.

Um 11 Uhr ist Mittagspause. Das sowohl für die Kinder als auch für uns Essen und Mittagsschlaf. Ein Rhythmus an den ich mich gerne gewöhnt habe J.  Für uns geht die Arbeit um 2 weiter. Die 3 Mädchen haben sich entschieden nachmittags die Waisenbabys zu betreuen, Stefan und ich unterrichten. Das jedoch gestaltet sich nachmittags etwas schwieriger. Oft sind die Kinder zu müde und können nicht mehr stillsitzen was dann nicht mehr als eine Stunde richtigen Unterricht zulässt. Leider müssen die Kinder aber trotzdem bis halb 5 Uhr in den Klassenräumen bleiben und wir dürfen auch nicht mit ihnen nach draußen. So spielen wir dann Spiele oder lassen die Kinder halt mal machen was sie möchten. Um 5 Uhr endet der Arbeitstag und wir haben Freizeit.

So sehen also meine Tage hier aus. Jetzt möchte ich euch aber noch von den Ereignissen der letzten Wochen berichten. Denn leider schloss sich an die, wie schon berichtet, ruhigen November Wochen eine Reihe wirklich unschöner Ereignisse an.

Das ganze fing Ende November mit einem komischen Vorfall an. Zwei der Mädchen waren mit unserer vietnamesischen Freundin Van unterwegs und kamen zurück ins Center. Van hatte ihr Fahrrad im Center abgestellt. Auf dem Weg zu Fahrrad begegnete den Mädchen der Direktor des Centers. Als dieser Van sah, rastete er völlig aus packte sie und zerrte sie in ein Büro. Er deutete an, dass er sie verhaften lassen würde und schrie alle 3 ununterbrochen an. Die beiden Freiwilligen hatten natürlich keine Ahnung was los ist und wollten bei Van bleiben. Der Direktor aber schrie sie an in ihr Zimmer zu gehen, packte sie und schlug ihnen mit der Hand auf den Rücken. Die Mädchen, völlig aufgebracht, riefen ihre Organisation an und berichteten ihnen vom ausfallenden Verhalten des Direktors. Schließlich musste Van einen Bericht ausfüllen wo sie mit uns gewesen war und durfte nach Hause. Am nächsten Morgen stellte sich raus, dass der Direktor so ausgeflippt war, weil die Mädchen jemand fremdes in das Center gebracht hatten, wenn auch nur um ein Fahrrad abzustellen. Er erwartete außerdem eine Entschuldigung  von uns allen weil die Mädchen ihrer Organisation gesagt hatten, er habe sie auf den Rücken geschlagen. Da das aber der Wahrheit entsprach, verweigerten wir das schlicht und einfach.

Der Direktor reagierte in dem er uns einsperrte. Das heißt, wir duften die folgenden 2 Wochen das Center nicht verlassen. Das galt auch als Judith krank war und zum Arzt fahren wollte.  Nur am Wochenende konnten wir nach Hanoi fahren. Das war echt eine scheiß Zeit. Letzte Woche hat dann unsere Organisation mit dem Direktor gesprochen und wir haben einen Plan bekommen der uns täglich 2 Stunden Ausgang erlaubt, abwechselnd mittags oder nachmittags. Der Direktor ließ uns aber wissen, dass er uns für schlechte Kinder hält und wir ohnehin viel zu viel Zeit außerhalb verbringen würden. Außerdem ist es uns neuerdings untersagt uns mit den Lehrerinnen zu treffen, auch wegen des Direktors.

Vermutlich klingt das alles echt verwirrend und ihr glaubt wahrscheinlich, das sei nur die eine Seite der Geschichte. Aber glaubt mir ich habe das so neutral wie möglich berichtet, und wir verstehen auch immer noch nicht so recht was das soll. Autorität ist etwas ganz anderes in Vietnam. Der Boss ist eine Person, die weit über allen anderen steht, die man blind respektiert und der man gehorcht. Und dieser Mann scheint das Extrem davon zu sein. Durch die Verweigerung der Entschuldigung, haben wir wohl offensichtlich seine Ehre verletzt, worauf er jetzt mit oben genannten Maßnahmen reagiert und es nicht für nötig hält stattdessen mit uns darüber zu sprechen.

Dieses Spiel hatten wir zwar immer wieder über die letzten Monate, jedoch nie in dieser Form. Und leider sehen wir keine andere Möglichkeit mehr als das Projekt zu wechseln. Das ist wirklich sehr schade, denn wir verstehen und mit Kindern und Lehrern wirklich gut, aber die Beschränkungen werden einfach immer schlimmer und es wird wohl auch nicht besser werden. Unsere Organisationen prüfen derzeit ob es weiterhin tragbar ist, Freiwillige in dieses Projekt zu senden.

Stefan und ich ziehen dann im Januar nach Hanoi. Und trotz der Trauer über den baldigen Abschied aus Hai Duong, ist es doch auch irgendwie schon immer eine Idee von uns gewesen, nach Hanoi zu wechseln einfach um auch noch andere Erfahrungen zu sammeln.

Über Weihnachten und Silvester übrigens, fliege ich mit 6 anderen Freiwilligen nach Thailand. Sozusagen mein Weihnachtsgeschenk.

Falls ich vorher nicht mehr schreibe, wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und einen guten Start ins Jahr 2010!

Da bin ich wieder!

Oktober 29, 2009

Hallo!

In den letzten Wochen ist viel passiert.

Zunächst mal hatte ich für 3 Wochen Besuch von Charlotte. Sie hat mit uns im Center gearbeitet und wir sind viel verreist, wovon ich euch in diesem Artikel berichten möchte.

Leider gab es dann aber auch einigen Ärger mit unserem Center. Nachdem Charlotte und ich montags losgefahren waren, kam ein Anruf von Stefan (mein Zimmergenosse aus Island). Das Center hatte unmittelbar nach unserer Abreise ein Meeting mit den verbliebenen 4 Freiwilligen einberufen. Auf dieses Meeting hatten wir eigentlich alle gewartet, da uns der Direktor einen detaillierten Arbeitsplan versprochen hatte.

Leider gab es dann aber etwas völlig anderes. Und zwar eine Art Kontrollplan, der besagte, dass wir von nun an nur noch jeden zweiten Tag zu 2 Stunden Ausgang berechtigt wären. Von Arbeit wurde gar nicht gesprochen. Hinhalten wollte man uns mit der Begründung “Schweinegrippe”. Was natürlich völliger Blödsinn ist, da in unserem Center täglich 100 Lehrer und 500 Kinder ein- und ausgehen und man uns angeblich so schützen wolle. Zahlreiche Verbote und Regeln ( meist aufgrund der strengen Polizeiaufsicht für Westler in unserer Provinz ) wie beispielsweise abendlicher Ausgang nur bis 9 Uhr, An- und Abmelden bei Verlassen des Centers bei den Pförtner oder Sprech- bzw. Anwesenheitsverbot bei öffentlichen Veranstaltungen und in öffentlichen Einrichtungen gab es dann.

Jedenfalls haben wir dann die vergangenen 2 Wochen im Wesentlichen damit verbracht diesen Plan wieder loszuwerden. Das bedeutet: Meetings ( sehr beliebt in der vietnamesischen Arbeitswelt ) und zahlreiche Anrufe und Emails an unsere Entsendeorganisationen. Im Moment sieht es glücklicherweise so aus, als könne man den Plan doch umgehen. Ich hoffe es bleibt dabei.

Jetzt zu unserer Reise:

Charlotte war für insgesamt 3 Wochen in Vietnam. Eine davon habe ich mir freigenommen und wir sind gemeinsam in den mittleren Teil Vietnams gefahren, wo wir uns Hue, Da Nang und Hoi An angesehen haben.

Montags ging es also mit dem Nachtbus ( super Transportmittel. Ein Bus voll mit Betten ) von Hanoi nach Hue. Dort hatten wir einen kurzen Aufenthalt, dann ging es weiter nach Da Nang.

Da Nang ist die viertgrößte Stadt Vietnams, weshalb wir dort, entgegen dem Rat unserer Reiseführer, mindesten eine Nacht verbringen wollten. Aber die Reiseführer behielten Recht: Da Nang ist groß und industriell, ansonsten aber einfach unspannend. Am darauffolgenden Tag packten wir also unsere Sachen und fuhren weiter zum China Beach, der in der Mitte von Hoi An und Da Nang liegt. Dort hatten wir von einem kleinen Gästehaus gehört, was sich als absoluter Glücksgriff herausstellte. Hoa, der Besitzer, ist ein absolut cooler Typ. Seine Gäste begrüßt er grundsätzlich mit Sätzen wie “Hey Mate” oder “Take it easy, friend”. Wir waren schwimmen und surfen und haben bis spät in die Nacht mit Leuten aus Australien, USA, Neuseeland und England über Gott und die Welt geredet.

Mit neuer Frisur bei Hoa's Place

Vom China Beach waren es dann nur noch 20 Minuten bis Hoi An. Die Stadt Hoi An ist zwischen einem Flussdelta und der Küste gelegen und eher klein, aber nichts desto trotz das Schönste was ich bisher in Vietnam gesehen habe. Kleine, beschauliche Fischerhütten reihen sich an Häuser im französischen oder chinesischen Stil, alte Überbleibsel aus Kolonialzeiten.

Auch der Strand ist einfach traumhaft. Alles in allem haben wir in Hoi An dann 4 Tage verbracht, bevor es wieder nach Hause ging.

Hoi An Flusspromenade

Die darauffolgende Woche ist Charlotte alleine herumgereist und ich habe gearbeitet. Donnerstags ging es dann aber schon wieder weiter: Gemeinsam mit den anderen Freiwilligen sind wir nach Halong Bay gefahren. Die Kalkfelsformationen vor der Küste Vietnams sind schon länger Weltkulturerbe und für jeden Touristen ein absolutes Muss. Klar, dass wir dann gemeinsam mit Charlotte gefahren sind. Für umgerechnet 27 Dollar konnten wir eine 2-Tagestour rund um das Gebiet auf einem Schiff unternehmen (Essen, Air Con, Kayaking etc).

Halong Bay

Auf dem Boot

Wirklich ein absolut gelungener Trip.

Also ihr seht, es geht mir bestens. Ich halte mich an dieser Stelle mal mit Versprechungen zurück, aber ich möchte euch bald auch von meiner Arbeit berichten, die jetzt tatsächlich Form annimmt.

Damit kein falscher Eindruck: Die Menschen hier sind wirklich toll. Noch nie habe ich ein Land erlebt, das Fremden mit so viel Offenheit und Respekt begegnet. Ich fühl mich super hier.

Also bis die Tage!

Euer Lieblingsvietnamese, der gerade probiert, sich sein Leben lang für den Zivildienst zu verpflichten

 

Bitte entschuldigt

Oktober 2, 2009

Hallo!

Ich hab echt wenig Zeit im Moment und zudem jetzt seit einer Woche kein Internet mehr.

Aber eines mal vorneweg: Mir geht’s gut!

Wir sind jetzt hier endlich vollständig. Die drei Mädchen aus Deutschland Julia, Judith und Amelie sind angekommen, genau wie Stefan, mein neuer Mitbewohner aus Island. Wir 5 verstehen uns super und ich freue mich wirklich darauf mit ihnen hier zu leben.

Nach dem Wochenende will ich vom Mid-autumn Festival in Vietnam berichten und Fotos reinstellen.

Das geht im Moment leider nicht weil das Internet überall sehr langsam ist. Möglicherweise wegen dem schweren Tsunami in Mittelvietnam.

Also bleibt dran.

Bis dahin

Liebe Grüße

Neues aus dem fernen Osten

September 16, 2009

Ahoi aus Hanoi

So. Erst einmal möchte ich mich für die lange Zeit ohne Bericht entschuldigen und Besserung geloben. Leider gab es in der vergangenen Woche kaum ein Ereignis, das einen ganzen Bericht gefüllt hätte. Daher werde ich euch einfach mal das Beste der letzten Woche zusammenfassen.

Am Montag und Dienstag war ich jeweils bei Lehrerinnen zum Essen nach Hause eingeladen. Es gab wirklich sehr leckeres Essen ( nach einer Woche 2 Mal täglich Reis hab ich mich natürlich über Nudeln mehr als gefreut ). Ich hab dann auch mal gleich richtig zugeschlagen, was dazu führte, dass “Frido an nhieu”(Frido ist gerne viel) der running-Gag der Woche des Lehrerkollegiums wurde. Abgesehen davon, dass es wirklich gut schmeckt, gefällt mir in Vietnam auch die Art wie gegessen wird. Man sitzt, meist auf dem Boden, um das Tablett mit den Speisen. Jeder nimmt sich das, was ihm schmeckt in sein Schüsselchen und dann wird gegessen. Egal wie. Die Abfolge und Kombination der Speisen ist auch egal. Das ganze dauert dann gerne länger als eine Stunde weil man sich immer wieder kleine Happen nimmt, oder einem vom Gastgeber neu aufgetan wird. Dabei wird auch immer großzügig Bier nachgeschenkt. Ganz nach meinem Geschmack also :D

Neben dem vielen Essen, habe ich in Hai Duong dann auch neue Leute kennen gelernt und mich mit ihnen getroffen. Das ist hier übrigens recht leicht, weil sich beinahe jeder dafür interessiert, was ein “Thay”(Westler) in ihrer Provinz macht. Nachdem  ich mich am Mittwoch mit einem Jungen aus der Stadt getroffen hatte, und einem anderen meine Handynummer gegeben hatte riefen mich dann auch gleich deren Freunde an und fragten ob sie mich auch treffen könnten, wie es mir gehe oder ob ich mit ihnen chatten wolle. Daher hab ich auch diese Woche 3 Verabredungen mit anderen Leuten aus Hai Duong. Ach ja, außerdem habe ich noch bei Facebook gleich nach meiner Ankunft hier, mit einem Mädchen aus Hai Duong geschrieben. Sie hat mir die Stadt gezeigt, wir waren schwimmen und so weiter. Sie ist wirklich nett und spricht auch gut Englisch. Das beste aber sind ihre SMS. Gerne schreibt sie schon morgens um halb 8 ein “Good Morning Sunshine! Have a good Day” oder fragte während meiner Erkältung 3 mal täglich nach meinem Wohlbefinden. So ist das in Vietnam. Hier reicht ein Treffen und man hat einen “new Friend”.

Am Freitag wollte ich dann eigentlich gemeinsam mit Julia und Franziska (auch FSJ’lerinnen)nach Hai Phong an’s Meer fahren. Leider goss es aber in Strömen und für Hai Phong war zudem ein Sturm angesagt. So blieben wir dann am Freitag in Hai Duong und sind am Samstag, wie bisher jedes Wochenende, nach Hanoi gefahren. Das läuft dann meistens so, dass man tagsüber sich etwas anguckt bzw. Essen geht (gerne auch mal Kentucky Fried Chicken oder Pizza. Ist ja schließlich Wochenende), am Abend im Backpackers-Hostel eincheckt um dann gemeinsam mit anderen Freiwilligen feiern zu gehen. Das geht wirklich gut in Hanoi muss ich sagen. Es gibt 2-3 Bars in denen man auf sehr viele Backpacker und Volunteers stößt, sich unterhält und vielleicht gemeinsam weiterzieht. Am Ende geht es dann für die, die noch wollen und können in die Disco “Solace”. Ein nicht unbedingt schöner Schuppen, aber dafür mit top Lage: Quasi schwimmend auf dem roten Fluss gelegen, guckt man von der hinteren Terrasse über den bestimmt 300m breiten Fluss.

Am Sonntag haben wir dann nochmal lecker gegessen und sind abends zurück zu unseren Projekten gefahren.

Fast hätte ich die wichtigsten Nachrichten dieser Woche vergessen. Am Montag nämlich teilte mir mein Koordinator mit, er hätte einen zweiten Freiwilligen für das Projekt gefunden. Er heißt Stefan, ist 19 Jahre alt und kommt aus Island. Er wird hier ab dem 30.9 für ein Jahr arbeiten. Endlich Gesellschaft! Aber es kam noch besser: Am Mittwoch zeigt mir mein Mentor morgens einen Brief, nach dem am 14.9 zwei deutsche Mädchen hierher kommen würden und ebenfalls für ein Jahr bleiben würden. So würden es also bald 4, statt nur einem Volunteer in Hai Duong sein. Und tatsächlich sind gestern Amelie(19) und Judith(20) hier angekommen. Beide super nett. Sie sprechen noch gar kein Vietnamesisch, wollen es aber schnell lernen. Natürlich helfe ich ihnen bei der Verständigung und der Orientierung (Ich dann auch schon etwas stolz alles auf vietnamesisch für uns arrangiert, dass wir zum Supermarkt gehen würden usw. :D ). Ach ja, nächste Woche kommt noch ein deutsches Mädchen, die aber nur für 3 Monate in Vietnam bleibt. So sind wird dann bis Dezember sogar 5 Freiwillige. Damit hätte ich wirklich nie gerechnet und ich kann mein Glück kaum fassen. Irre, wie schnell sich das alles ergeben hat.

Nun ja. Ich hoffe, bald endlich arbeiten zu können. Vermutlich werde ich erst mal Englisch unterrichten und später, wenn mein Sprachvermögen das zulässt vielleicht auch Mathe und Kunst. Malen macht wirklich Spaß mit den Kindern. Oft stehe ich vorne an der Tafel und male Hunde, Fische oder Katzen (bei mir kaum von einander zu unterscheiden), die Kinder schreiben auf Vietnamesisch den Namen des Tieres und die Lehrerinnen auf Englisch. Ein bisschen Unterricht für alle also.

Skaten habe ich für heute um 6 mit den Kindern ausgemacht. Bis dahin muss ich jetzt noch ein paar Vokabeln lernen. Wichtig wären zum Beispiel “Fuß”, “Gewicht verlagern”, “Stopp!”, “Hör auf damit”, “Lass ihn/sie auch mal fahren” und “Bleib hier!”.

Also, wie versprochen müsst ihr dieses mal nicht so lange auf den nächsten Bericht warten. Hoffentlich kann ich euch dann auch bald von meinem Unterricht erzählen.

Fotos gibt’s im nächsten Bericht.

Bis dahin

Daheim in Hai Duong

August 28, 2009

Aloha!

Ich habe mal wieder die Zeit gefunden hier etwas zu berichten.

Also, wie angekündigt bin ich am Mittwoch in mein Projekt, das Hai Duong Orphanage, gekommen. Zunächst zu Hai Duong (gesprochen: Hai Suong ): Der Ort oder die Stadt, das kann ich im Moment noch nicht beurteilen, liegt etwa 1 ½ Kilometer westlich zu Ha Noi, und damit etwa auf halbem Wege zwischen der zweitgrößten (Ha Noi ) und der drittgrößten Stadt ( Hai Phong, direkt an der Küste ). So brauche ich jeweils auch ( nur ) 1,5 Stunden in die Metropole Ha Noi oder zum Strand bzw. Hai Phong. Optimal! Auch die Stadt selber bietet mir soweit alles was ich brauche. Es gibt ein Fußballstadion mit einem Rasen der öffentlich genutzt werden kann, einen schönen Stadtsee, einen Supermarkt und Restaurants um die Ecke und natürlich einige der geliebten Läden, die preisgünstig aktuelle Filme und Serien bieten.

Dann zum Projekt. Das Kinderheim hier leistet eigentlich weitaus mehr als der Begriff vermuten lässt, weshalb es auch eigentlich Center of irgendwas heißt. Die Kinder, die hier leben sind Waisen, teils geistig oder körperlich behindert  (unter anderem Folgeopfer der Agent Orange-Bombardierung der Amerikaner), teils nicht behinderte Kinder. Das Alter streckt sich von Säuglingen bis zu 16 oder 17- jährigen Jugendlichen. Die Kinder werden hier sowohl unterrichtet als auch auf spätere Berufe vorbereitet. Dafür gibt es ein extra Gebäude, wo in Klassenräumen im wesentlichen Mechanik oder Handwerke wie Nähen unterrichtet werden.

Mein Zimmer und Bad

Mein Zimmer und Bad

Mein Zimmer hier ist groß und ist mit ein paar Stühlen, den üblichen Holzbetten, einem kleinen Bad und Ventilator wirklich überraschend gut ausgestattet. Als kleinen Bonus hab ich auch noch das einzige Zimmer der Etage und damit Zugang zum Flachdach was quasi eine Dachterrasse ist. Und ich hab es auch noch ganz für mich allein. Am Anfang fehlte es jedoch an alle dem (abgesehen von den Betten und Ventilator). Jedoch wurde alles umgehend eingebaut.

Das Center

Internet gab oder gibt es zunächst auch nicht. Aber auch hier zeigten sich die Mitarbeiter sehr kooperativ und so habe ich es als mein erstes kleines Projekt genommen, dem Haus mit etwas finanzieller Hilfe von daheim Internet zu besorgen. Heute haben wir lange darüber verhandelt und nun teile ich mir die Kosten mit dem Center und hoffentlich wird dann morgen Internet in den vorhandenen Computerzimmern eingerichtet. So kann ich dann eventuell bald so etwas wie Internet-Unterricht geben. Nur so eine Idee. Das Internet halte ich aber definitiv für sinnvoll. Auch im Bezug auf den Englisch- und Berufsunterricht.

Soweit alles ganz schön. Doch es gibt leider auch wirklich Negatives zu berichten. Eventuell verwirrend, dass ich damit erst jetzt im Text rausrücke aber ich wusste nicht wie ich das anders unterbringen sollte. Also, was wirklich nicht in Ordnung ist, ist die Tatsache, dass ich der einzige Freiwillige in der ganzen Provinz bin und hier im Projekt keiner der Mitarbeiter Englisch spricht. Nicht einmal mein Mentor, der aber trotz alle dem sein bestes gibt und soweit er mir helfen kann, das auch tut. Dennoch ist der Stand der Dinge, dass ich mit meinen 10 Sätzen Vietnamesisch, die leider keiner versteht weil ich die Intonation noch nicht hinkriege, nicht einmal meine Grundbedürfnisse äußern kann. Von einer Arbeit in der Klasse oder ähnlichem ganz zu schweigen. In der Hinsicht fühle ich mich also etwas verarscht. Ich muss mich mit der vorläufigen Funkstille abfinden und schnell Vietnamesisch lernen. Das wird bestimmt hart. Aber zum Glück gibt es ja das Internet J

Ich werde jetzt auch mal aufhören zu schreiben weil ich morgen ab 8 Uhr arbeiten/beobachten muss.

Ich denke ich werde schnell wieder Zeit finden weiter zu berichten, da ich ja soviel soziale Kontakte hier noch nicht knüpfen kann. Das Wochenende werde ich dann aber zum Glück zumindest teilweise in Ha Noi verbringen, wo ich im Peace House andere Freiwillige treffe und mich dann auch hoffentlich auf den Weg zu den Skate-Plätzen machen werde.

Also bis bald!

*EDIT* Leute, falls jemand weiß wie ich vernünftig in WordPress Bilder einfügen kann, so möge er mir das doch bitte mitteilen. Ich krieg es einfach nicht hin!

Xin chao,

das ist also nach 4 Tagen mein erster Eintrag aus Vietnam. Am Dienstag ging es um 21:15 aus Frankfurt los. Glücklicherweise bin ich gemeinsam mit den anderen ICJA Freiwilligen Milena, Julia und Franziska geflogen. Nach 10 Stunden landeten wir in Bangkok wo es nach 4 Stunden Aufenthalt weiter nach Hanoi, Vietnam ging. Da gabs dann den ersten Schock: Wir verlassen in Pullis und langen Hosen den klimatisierten Flughafen und kriegen 34° C ( um 20:30 Ortszeit ) gnadenlos zu spüren. Der Schweiß stand allen sofort auf der Stirn.

3 Mitarbeiter der vietnamesischen Organisation VPV, die für uns zuständig ist, holten uns ab und brachten uns zum ‘House of Peace’, wo wir noch bis Mittwoch ein Einführungsseminar haben. Anschließend geht es dann in die Projekte. Der Weg zum Haus war ebenfalls ein Erlebnis. Da sich das Haus ziemlich abseits von Hanoi City befindet, hatten wir 45 Minuten lang Zeit den wirklich einzigartigen Verkehr Hanois zu bestaunen. Bis dahin dachte ich, der Verkehr in Rom wäre chaotisch aber das hier übertrifft wirklich alles. Im Wesentlichen ist alles so geregelt: Der größere fährt zuerst. Klare Hackordnung. Auch erwähnenswert ist der Gebrauch der Hupe. Prinzipiell wird gehupt vor, während und nach dem Überholen. Manchmal wenn ich nicht daran denke wo ich bin und ich den Lärm von der Straße höre denke ich es wäre mal wieder eine Hochzeit.

Als wir gegen 22:00 am ‘House of Peace’ ankamen wollten wir nur noch schlafen. Schwüle Hitze und Jetlag halten mich auch jetzt immer noch konstant müde.

Das Peace House auf dem Fabrikgelände der COMA6

Das Peace House auf dem Fabrikgelände der COMA6

Der nächste Tag zeigte uns Vietnam endlich im hellen. Und es ist wirklich schön. Wir sind umgeben von Reisfeldern und Plantagen. Das Leben findet komplett auf der Straße statt. Überall ist Leben und Action. Ansonsten gibt es zu Donnerstag und Freitag eigentlich nicht viel zu sagen. Hauptsächlich haben wir uns mit unseren Erwartungen an das Jahr auseinander gesetzt und einiges über die vietnamesische Kultur gelernt. Ach ja, wir hatten auch einen Sprachkurs und ich finde auch wenn ich nicht so fleißig war hab ich schon einiges gelernt. Ich hoffe, ich kann das in meinem Projekt fortsetzen.

Heute war dann endlich mal richtig was los. Heute waren wir nämlich in Hanoi, die Hauptstadt von Vietnam. Und der Ausflug war definitiv ein Erfolg. Zwei vietnamesische Freiwillige haben uns zunächst durch das ethnische Museum Vietnams geführt. Eigentlich ganz interessant aber leider hatte ich die vorherige Nacht wegen einem Monsun-artigen Gewitter wenig geschlafen und irgendwie nicht mehr so die richtige Konzentration dafür. Danach ging es dann aber in die richtige City und die ist wirklich einzigartig. Tausendjahre alte chinesische Tempel direkt neben Filialen von Mercedes Benz, Panasonic und Kentucky Fried Chicken. Aber es kam noch besser. Nach einer Stunde Bummeln in der Stadt standen wir plötzlich in einem Raubkopieladen. Total genial. Ich hab mir gleich mal alle South Park Folgen, Simpsons Staffel 20 und Family Guy Staffel 7 für insgesamt 9 Euro gekauft :D

Weiter die Straße runter war dann auch noch der Skateshop den ich vorher bei Google gefunden hatte. Also für die die es interessiert: Volcom Shirts für umgerechnet 7 Euro. DC Schuhe für 15 Euro. Ich glaub ich mach zu Weihnachten ein paar nette Pakete. Zum Schluss habe ich dann auch noch den Park gefunden in dem die Hanoier Jugend skatet. Somit bin ich jetzt rundum zufrieden.

Hanoi Old Quarter

Hanoi Old Quarter

Also ich muss jetzt auch mal aufhören zu schreiben weil gerade Stromausfall ist und ich den Akku für einen Film sparen wollte. Außerdem wollte ich noch mit Lingh, einem Freiwilligen von VPV, Bier kaufen gehen.

Also in dem Sinne

Tam Biet ( Auf Wiedersehen )

PS: Habe jetzt auch ein Handy in Vietnam. Die Nummer kriegt ihr bei Bedarf von meinen Eltern oder mir.

PSS: Fotos füge ich (hoffentlich, sofern das Internet es hier zulässt) bald hinzu. *Edit* Gemacht!

* Zitat aus dem Song “Oh my god” von Kaiser Chiefs, das gerade gespielt wurde als ich den Skateshop betrat

Wilkommen auf meinem Blog

August 12, 2009

In Kürze werdet ihr hier Berichte von mir aus Vietnam finden. Also bleibt dran!

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